jeden ersten Samstag im Monat…

... zeigen wir im B-Movie einen ausgewählten Film: schwul, trans, lesbisch - polygendered. Danach ist Bar. Willkommen sind alle, die im hetero- und homonormativen Mainstream nicht auf ihre Kosten kommen.
Film des Monats

Sa, 1.6.13, 22 Uhr: “Both”

Both

Lisset Barcellos, USA/Peru 2005, 86 Min., OF

Intersexualität wird selten zum Thema eines Spielfilms gemacht. Und so intensiv und persönlich wie in Lisset Barcellos Film werden wir es so schnell nicht wieder umgesetzt finden.

Rebeca Duarte, in Lima geboren, lebt in San Francisco und arbeitet als Stuntwoman für Actionfilme. Beruflich hat sie Erfolg, privat findet sie jedoch nicht zu sich selbst. Sie sucht Sex mit Frauen, mit Männern, mit sich selbst – findet jedoch nirgendwo Befriedigung.

Eines Tages erhält sie per Post ein Fotoalbum ihrer Tante aus Peru. Darin findet sie Kinderfotos ihres Bruders, der mit drei Jahren gestorben sein soll. Rebeca ist auf den Fotos nicht zu sehen. Irritiert versucht sie die Geschichte ihres Bruders zu erforschen – bis sie die erschreckende Wahrheit ihrer eigenen Identität realisiert.

Die Filmemacherin, selber intersexuell, bringt die Geschichte mit sehr viel Wut auf die Leinwand. Ihr Film bietet neben herausragenden schauspielerischen Leistungen und einer spannenden Inszenierung auch viel Diskussionsstoff. Eindrucksvoll! (LSF 2005)Both

Film des Monats

Sa, 6.4.13, 22 Uhr: Derek Jarmans “War Requiem”

War Requiem

Derek Jarman, UK 1989, 92 min., FSK 16, OmU

Derek Jarman schuf mit WAR REQUIEM ein mutiges, höchst erfolgreiches und in seiner Karriere einzigartiges Werk. Das WAR REQUIEM von Benjamin Britten, ist eines der berührendsten musikalischen Werke des 20. Jahrhunderts. Es entstand 1962 im Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege und wurde in der nach der Bombenzerstörung wieder aufgebauten Kathedrale von Coventry uraufgeführt.

Derek Jarmans Verfilmung ist eine visuelle Beschwörung des Requiems, ein Bilderrausch aus Spielfilmszenen, historischen Bildern und meisterhaften Tableaus zur Originaleinspielung, die Britten 1963 mit Peter Pears, Galina Wischnewskaja und Fischer-Dieskau in den Gesangsrollen selbst dirigierte.

Aus der Sicht des im Ersten Weltkrieg gefallenen Dichters Wilfred Owen (Nathaniel Parker) und einer Krankenschwester (Tilda Swinton) zeigt Jarman die Schrecken des Krieges und das Leid seiner Opfer. Laurence Olivier hat als alter Soldat seinen letzten Filmauftritt und rezitiert Owens berühmtes Gedicht „Seltsame Begegnung“. WAR REQUIEM war in Deutschland bisher nur auf Festivals zu sehen.

Film des Monats

Sa, 2.3.13, 22 Uhr: “Die Geierwally”

Die Geierwally

Walter Bockmayer, BRD 1987, 88 Min, FSK 12

Die „Geierwally“ (Samy Orfgen) weigert sich, dem Willen ihres Vaters entsprechend den Erb­schleicher Vinzenz zu heiraten. Sie ist in den Jäger „Bären­joseph“ verliebt, der jedoch nichts von ihr wissen will. Ihr Va­ter schickt sie zur Strafe in die Verbannung auf eine Alm, wo sie zur Be­sinnung kommen soll. Am Hof des Vaters reißt derweil Vinzenz das Ruder an sich. Als Wally davon erfährt, entschließt sie sich zum Widerstand und jagt Vinzenz vom Hof. Afra, Josephs heimliche Tochter, hält Geierwally fälschlicherweise für dessen Geliebte und entschließt sich, beide aus dem Weg zu räumen. Als der eifersüchtige Vinzenz Joseph den Berg hinunterstößt, klettert Wally hinterher und rettet ihn, was ihr schließlich doch seine Zuneigung einbringt.

In seiner grellen Parodie des klassischen „Geierwally“ lässt Walter Bockmayer jegliche Hemmungen fallen und rechnet gnadenlos mit dem deutschen Heimatfilm ab! Serviert wird ein greller Mix aus Musical, Volkstheater, Slapstick und Tuntentrash, an dem sich diverse bekannte SchauspielerInnen wie Ortrud Beginnen oder Elisabeth Volkmann offensichtlich mit viel Spaß beteiligt haben.

Film des Monats

Sa, 2.2.13, 22 Uhr: “Eban and Charley”

Eban and Charley

James Bolton, UK/USA, 2000, 86 min., OF

 18 ist das Schutzalter für sexuelle Kontakte in den meisten Staaten der USA. Sex mit einer Person unter 18 Jahren gilt strafrechtlich als Ver­gewaltigung. Was passiert, wenn ein 15-Jähriger einen 29-Jährigen liebt? James Bolton wirft einen sensiblen Blick auf beide Teile einer solchen Beziehung. Der 29-jährige Lehrer Eben (Brent Fellows) aus Seattle ist von seiner Schule entlassen worden, weil er eine Beziehung mit einem jugendlichen Fußballspieler hatte. Da er offensichtlich nicht angeklagt wurde, kann er zu Weihnachten zu seinen Eltern nach Oregon fahren. Dort lernt er mehr oder weniger zufällig den 15-jährigen Charley (Giovanni Andrade) kennen, der nach dem Tod seiner Mutter konfliktreich mit seinem Vater zusammenlebt. Die beiden unternehmen viel zusammen und verlieben sich schließlich ineinander. Wie zu erwarten erfahren die Eltern schnell von der Nähe der beiden und verlangen eine Trennung, was das Verhältnis der beiden vor eine Zerreißprobe stellt.

 

 

 

 

 

Film des Monats

Sa, 1.12.12, 22 Uhr: “Tim Burton’s The Nightmare Before Christmas”

Tim Burton’s

The Nightmare Before Christmas

Henry Selick, USA 1993, OF

Jack Skellington, als Pumpkin King Star und Vorbild aller Kreaturen von Hallo­ween Town, hat es satt, jedes Jahr das gleiche Spektakel zu Halloween zu veranstalten, und verfällt in Melancholie. Er sehnt sich nach einer neuen Aufgabe. Durch Zufall entdeckt er Christmas Town und wünscht sich, den Kindern auf der Welt mit seinen Hallwoeener Freun­­dInnen eine angemessene Weih­nacht­süberraschung zu bereiten und so aus seiner Identitätskrise her­auszu­kom­men.

Halloween Town lässt sich auf das Unter­neh­men ein und bastelt eifrig Geschenke. Um die eige­ne Performance perfekt zu gestalten, muss der dicke, leicht debile Santa Claus aus dem Verkehr gezogen und dem Boogiman übergeben wer­den. Jack, das dürre Skelett im Nadelstreifenanzug, beschert nur als Sandy Claws die Kinder mit den schaurig schönen Gaben aus Halloween Town.

Der wundervolle Stop-Motion-Film ist längst zum einem Klassiker ge­wor­den. Weihnachtshasser wissen, dass das im Film gezeigt Disney-Happyend nicht der Ausgang der Geschichte sein kann. Auch Danny Elfmans oft gecoverte schräge Musik trägt zu dem genussvollen Erlebnis eines Identitätswechsels und einer (vermeintlich) verkehrten zucker­süßen Welt bei. Ein Kunstwerk, wie es q-rer nicht sein könnte.

Film des Monats

Sa. 3.11.12 22 Uhr “Satã”

SATÃ

Karim Aïnouz, Bras/F 2002, OmU 100Min

Kraftvoll und verletzlich. Gefeiert und gehasst. Umschwärmter Sänger. Hingebungsvoller Vater. Zügelloser Verbrecher. Leidenschaftlicher Liebhaber. Anfang der 30er Jahre lebt Joao Francisco in ärmlichen Verhältnissen mit seiner ‚patchwork family’, für die er sorgt, die er beherrscht.

Er kam aus dem Nichts und war ein Niemand. Groß, schwarz, eine imposante Gestalt. Die Menschen aus Lapa, jenes berühmte Künstlerviertel von Rio de Janeiro, sie mochten ihn: seine Art des Tanzens, seine Begeisterung und sein unbedingter Wille nach Freiheit. Und sie hassten Joao Francisco, den herrschsüchtigen Tyrann, der blind vor Wut, Ungerechtigkeit und unerwiderter Liebe durch die Strassen zog.

“SATÔ ist das bewegende Portrait einer explosiven und komplexen Persönlichkeit. Mit eindrucksvollen Bildern schafft der Film einen intimen Einblick in das Leben des Joao Francisco dos Santos, der als “Madame Satã” gefeiert wird und schon zu Lebzeiten ein Mythos war. Ein Mann, dessen Drang nach Freiheit sein ganzes Leben beherrschte. Teufel und Heiliger.

Kooperation

Sa, 6.10.12, 22 Uhr: “TURNING”

filmfest hamburg in Kooperation mit den lesbischwulen Filmtagen und der Q-Movie-Bar

TURNING, Charles Atlas, DK/USA 2012, 82 min.

Dokumentarfilm

2006 erfanden Antony Hegarty, der Sänger von Antony & The Johnsons, und der Videokünstler Charles Atlas „Turning“ – ein Projekt, halb Konzert, halb Performance. Nur von einem kleinen Kammerorchester begleitet, sang Antony 13 Songs, während zu jedem Song eine andere Frau auf einer Drehbühne erschien. Atlas filmte sie und warf ihr Abbild auf eine große Leinwand. Diese Frauen wichen allesamt vom herkömmlichen Genderkonzept Frau ab. Manche waren lesbisch, bisexuell, transsexuell oder androgyn.

Turning, der Film, erzählt die Geschichten einiger von ihnen. Er ist damit zweierlei: Ein Konzert- und ein Performance-Film, der große Teile der Bühnenshow dokumentiert, aber auch das Porträt einer Reihe hochspannender Frauen.

Charles Atlas (*1958) ist seit den 1970er Jahren sowohl für seine Dokumentarfilme als auch Videoinstallationen bekannt und gilt als Pionier der Tanz-Videofilme. Viele seiner Arbeiten entstanden in enger Zusammenarbeit mit Choreografen und Tänzern wie Michael Clark oder Merce Cunningham. Eine Auswahl seiner Filme und Videoarbeiten wurde 2006 im Rahmen einer Retrospektive in der Londoner Tate Modern gezeigt.

Film des Monats

Sa. 08.09.12 um 22 Uhr “EDWARD II.”

EDWARD II.

Derek Jarman, GB 1991, 90 min., OmU

England zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach dem Tod seines despotischen Vaters kann der junge König Edward II. (Steven Waddington) endlich seinen verstoßenen Liebhaber Gaveston (Andrew Tiernan) zurück nach London holen. Die obsessive Liebe des Herrschers bringt schnell die Lords und Kirchenmänner gegen den Günstling auf, der von Edward mit Adelstiteln und Reichtümern überhäuft wird. Die verschmähte Königin Isabella (Tilda Swinton) verbündet sich mit dem machthungrigen Lord Mortimer (Nigel Terry) gegen den Ehemann und auch das Volk erhebt sich gegen die unkonventionelle Liebe. Und während Edward verzweifelt sein Recht auf Glück einfordert, versinkt das Land im Bürgerkrieg.

Eine Liebe, die eine homophobe Gesellschaft ins Chaos stürzt – das ist der Stoff, den Derek Jarman frei nach dem Stück des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe 1991 in seinem erfolgreichsten Film umgesetzt hat, mit dem er gleichzeitig die zeitgenössische homophobe Gesetzgebung, etwa in Großbritannien kritisiert.

Kooperation

Sa. 4.8.12 um 20 Uhr: “Street fables: Sexarbeit in der Popkultur”

Bildwechsel zu Gast in der Q-Movie-Bar mit einem kleinen Nachhall zum  “Sex Arbeit Film Fest 2012″:

“Street fables: Sexarbeit in der Popkultur”

Historisch betrachtet, hat kein anderer Beruf so viel Kontroversen geweckt wie die Sexarbeit. Die Faszination, die sie stimuliert, wird seit Jahrhunderten auf unzählbare Weisen beschrieben, ob nun mit oder ohne Sympathie. Selbst der Videoclip, eines der jüngeren Medien im Bereich der Kulturindustrie, hat als Projektionsfläche gedient für die idealisierte Repräsentation vom sogenannten ältesten Gewerbe der Welt. Diese Musikvideo-Anthologie zeigt, dass Sexarbeiter_innen ihre transgressive Ausstrahlung nicht verloren haben.

Achtung: Wir fangen diesmal schon um 20 Uhr an…

… und geben auch  keine Bar.  Stattdessen: Queer Flora-Soliparty

Film des Monats

Sa, 7.7.12, 22 Uhr: “Jeffrey”

Jeffrey

Christopher Ashley, USA 1995, 92 Min, FSK 16, OmU

Jeffrey (Steven Weber) ist ein erfolg­loser New Yorker Schau­spieler, der sich seinen Lebensunterhalt als Kellner verdient. Als Aids, besonders in den schwulen Reihen, ein immer größeres Thema wird und die Angst beständig steigt, beschließt er, künftig auf Sex zu verzichten. Doch kaum hat er diesen Entschluss gefasst, verliebt er sich in Steve (Michael T. Weiss) aus dem Fitness-Studio. Gerade als er sein No-Sex-Vorhaben wieder abblasen will, erfährt er, dass Steve HIV-positiv ist, und für Jeffrey bricht eine Welt zusammen. Jeffrey versucht verzweifelt, Steve nicht mehr über den Weg zu laufen, doch dieser geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Jeffreys Freunde Sterling (Patrick Stewart) und Darius wollen ihn immer wieder davon überzeugen, Steve schließlich doch eine Chance zu geben. Bis die Geschichte schließlich eine Wendung erfährt, als bei dem HIV-positiven Darius das Virus ausbricht.