jeden ersten Samstag im Monat…

... zeigen wir im B-Movie einen ausgewählten Film: schwul, trans, lesbisch - polygendered. Danach ist Bar. Willkommen sind alle, die im hetero- und homonormativen Mainstream nicht auf ihre Kosten kommen.
Film des Monats

Sa. 3.11. 22 Uhr: La Noche

La Noche

Edgardo Castro, ARG 2016, 136 min., Fsk 18, Om engl.U, Digital

Als Regisseur und Protagonist lässt sich Edgardo Castro durch die Nächte der queeren Subkultur von Buenos Aires treiben: sexuelle Begegnungen mit allen Geschlechtern, Drogen und Alkohol, ohne Moral und Ziel, bis sich die Risse im Bewusstsein nicht mehr überdecken lassen und die tiefe Einsamkeit zutage tritt. Castro, eigentlich Schauspieler, hatte die Idee zu seinem ersten Film, als er begann, über seine nächtlichen Streifzüge zu schreiben.

Das Buch musste warten, vier Jahre lang arbeitete er an dem Film, mit Laiendarstellern, ohne Geld und ohne Drehbuch. „Der Alkohol, die Drogen, der Sex sind nichts anderes als Passagen, in denen sich der Humor, die Zärtlichkeit, die Sehnsucht nach dem Unaussprechlichen und die Grenze wie ein Abgrund kreuzen, in dem einen das Schwindelgefühl erwartet, das Versprechen auf die eigene Selbsterkenntnis zu treffen.“ Edgardo Castros zweiter Roman „Como en la noche (Wie in der Nacht)“ wurde in diesem Jahr veröffentlicht. La Noche gewann beim Independent-Filmfestival Buenos Aires (BAFICI) den Jurypreis.

Hinweis: Der Film enthält zahlreiche explizite Sex-Darstellungen.

Außerdem

Filpremiere: Family of Kink

Family of Kink

Simon Schultz, GER 2018, 16 min. Om deu.U, Digital

Vor unserem Hauptfilm laden wir um 21:00 Uhr zur offiziellen Programmkino-Premiere dieses Hamburger Kurzfilms ein. Zehn Queers treffen sich zu einem perversen Familientreffen. Gemeinsam bilden sie Banden und finden neue Formen von Wahlverwandtschaft und Familie.

Mit dabei ist der Cast und das Produktionsteam des Filmes.

Film des Monats

Sa. 6.10. 22 Uhr: The Times of Harvey Milk

The Times of Harvey Milk

Rob Epstein, USA, 1984, ca. 90 min.

Harvey Milk (1930-1978) war der erste offen schwule Politiker der USA, saß im Stadtrat von San Francisco und wurde 1978 von einem politischen Rivalen wie auch der Bürgermeister der Stadt erschossen. Schon vor seiner Tätigkeit im Parlament war Harvey Milks Fotogeschäft zu einem wichtigen Ort der Homosexuellen-Bewegung der Stadt geworden. Milks Arbeit trägt dazu bei, dass in San Francisco immer mehr Schwule und Lesben sichtbar werden. Es gelingt Milk u. a., dass die Mehrheit der kalifornischen WählerInnen einen Gesetzesentwurf ablehnt, der Schwulen verbieten will, als Lehrer an öffentlichen Schulen zu arbeiten.

Regisseur Rob Epstein dokumentiert in The Times of Harvey Milk einfühlsam das Leben Harvey Milks und zeigt dabei selbstverständlich auch den Zeithintergrund der 1960er und 1970er Jahre sowie die Ereignisse, die zu seinem gewaltsamen Tod führten. 1985 wurde der Film mit einem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Film des Monats

Sa. 1.9.18, 22 Uhr: „Verfolgt“

Verfolgt

Angelina Maccarone, mit Maren Kroymann und Kostja Ullmann, D 2006, 87 min., Fsk 16, Digital

Elsa Seifert (Maren Kroymann) ist die Bewährungshelferin des 16jährigen Jan (Kostja Ullmann). Bald wird sie von ihm verfolgt, er bietet sich ihr an: „Ich weiß, dass sie Sachen mit mir machen wollen.“ Durch die merkwürdige Hartnäckigkeit des Jungen bekommt Elsas professionelle Distanz erste Risse, die Aufmerksamkeit, die sie unvermutet erhält, gefällt ihr auch. Jans vorsichtige Berührungen lösen bei der 52jährigen mit dem routinierten Berufs- und Eheleben eine Sehnsucht aus, der sie schließlich nachgibt. Viel wird über Blicke erzählt, ernste und abschätzende zunächst, bis beide Figuren offener werden können. Dabei geht es nicht um Sex, sondern um das Herantasten an eigene Wünsche, um Nähe und intensives Gefühl durch die Schmerzen, die Elsa Jan zufügt. Auf das Schlagen folgt hier immer auch eine Umarmung. Während die beiden ihre Sehnsüchte umsetzen und sich immer intensiver nur noch aufeinander beziehen, entgleist Elsas Leben immer mehr.Sadomasochismus ohne Klischees: Maccarone erzählt ihre Geschichte einer langsamen Annäherung zweier Menschen im körnigen Schwarz-Weiß und mit großer Nähe zu den Hauptdarstellern.

Verfolgt entstand ohne eine Beteiligung eines Fernsehsenders. Cast und Crew beteiligten sich finanziell an der Produktion und ermöglichten so deren Entstehung. Der Film gewann den GOLDENEN LEOPARDEN im Wettbewerb Cineasten der Gegenwart des 59. Internationalen Filmfestivals von Locarno.

Film des Monats

Sa, 7.7.18, 22 Uhr: „Aimée & Jaguar“

Aimée & Jaguar

Max Färberböck, D 1999, 35 mm, 121 min.

Max Färberböcks Film zeigt die Liebesbeziehung zweier Frauen während der nationalsozialistischen Diktatur. Die Handlung  ist an tatsächlichen Begebenheiten orientiert, die von Erica Fischer zusammen­getragen wurden. Im Zentrum steht die lesbische Liebe einer Nichtjüdin zu einer Jüdin.

Die Jüdin Felice Schragenheim (Maria Schrader) nimmt einen falschen Namen an und schließt sich einer Untergrundorganisation an. Lilly Wust (Juliane Köhler), unglücklich verheiratet und Mutter von vier Kindern, ist von Felices Stärke und Freude fasziniert und verliebt sich in sie. Lillys Ehemann stirbt an der Front, bevor sie die Scheidung einreicht. Erst nach einem Konflikt offenbart Felice Lilly, dass sie Jüdin ist. Anstatt mit ihren Freunden aus Deutschland zu fliehen, bleibt Felice letztlich bei „der Liebe ihres Lebens“ in Deutschland und wird ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie ermordet wird.

Der Film zeigt, nicht zuletzt durch die überzeugende Leistung der Hauptdarstellerinnen, eindrücklich das Klima der Angst, aber auch die kleinen Freiräume, die es für frauenliebende Frauen gab, solange sie unentdeckt blieben.

 

Film des Monats

Sa, 2.6.18, 22 Uhr: „Der Kreis“

Der Kreis

Stefan Haupt, CH, 2014, 102 min., Schwytzerdütsch; OmU

Stefan Haupt verfilmt das Lebens eines der bekanntesten Männerpaare der Schweiz: Der junge Lehrer Ernst Ostertag (Matthias Hungerbühler) kommt Mitte der 1950er Jahre in Zürich in Kontakt mit der „Homophilen“-Organisation „Der Kreis“ und arbeitet an ihrer gleichnamigen Zeitschrift mit, die LeserInnen in der ganzen Welt hat. Auf einem der legendären Bälle des „Kreises“, zu dem Menschen von weit her anreisen, verliebt sich Ernst in den Travestie-Künstler Röbi Rapp (Sven Schelker).Die Schweiz ist zwar etwas liberaler als West­deutschland, wo Sexualität zwischen Männer nach wie vor nach dem verschärften NS-Straf­recht verboten ist und abgeurteilt wird, aller­dings auch nicht tolerant. Während die Schwei­zer Polizei dazu übergeht, die Zürcher Homo­sexuellen zu registrieren und Angst und Erpres­sung die bürgerliche Existenzen der Mitglieder des „Kreises“ zu zerstören drohen, gehen Ernst und Röbi eine Beziehung ein, die ein ganzen Leben lang halten wird.

Ernst Ostertag und Röbi Rapp, die 2007 als erstes Schweizer Männerpaar ihre Lebens­partnerschaft eintragen ließen, erzählen in Rückblenden von ihren Erfahrungen aus dieser Zeit des Umbruchs und der Rolle des „Kreises“ bei der Aufklärung über Homosexualität.

Die überzeugend inszenierten Spielszenen, die einen Großteil des Filmes ausmachen, zeigen das Klima der Angst in den 1950er Jahren, aber auch die genommenen Freiräume. Sven Schelker (inzwischen am Thalia Theater) spielt nicht nur die Bühnenszenen grandios.

Film des Monats

Sa. 5.5.18 22 Uhr: „Oriented“

ORIENTED

Jake Witzenfeld; GB/Israel 2016, 89 Min, OmeU

Der Film folgt dem Leben von drei homosexuellen, palästinensischen Freunden auf der Suche nach ihrer nationalen und sexuellen Identität in Tel Aviv, Israel. Khader, ein „Tel Aviv Darling“ aus einer promi­nenten muslimischen Mafiafamilie, lebt mit seinem jüdischen Freund zusammen – einem lokalen LGBT Impresario. Er bewegt sich in einem Konfliktfeld zwischen Wunsch nach Veränderung und einer scheinbar aussichtslosen gesellschaftlichen Situation. Fadi, ein glühender palästinensischer Nationalist, ist schuldbeladen durch die Affäre mit einem jüdischen Israeli. Naeem muss seine Familie mit der Wahrheit über seine Sexualität konfrontieren.

Entschlossen die Realität zu verändern bilden die Drei eine Gruppe namens „QAMBUTA“, eine gewaltfreie, kulturelle Widerstandsbewegung, die für genderbezogene und nationale Gleichberechtigung kämpft. Durch ihre Aktivitäten zeigen sie auf, was es bedeutet mit der Bürde einer vielschichtigen Identität aufzuwachsen.

Film des Monats

Sa. 7.4.18 22 Uhr: „Nicht der Homosexuelle ist pervers…“

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

Rosa von Praunheim; D 1970; 67Min; DF; Digital

Der Film entstand als Auftragsarbeit für den West­deutschen Rundfunk und behandelt das damalige Leben vieler Schwuler Anfang der 1970er in der Subkultur und die daraus zu ziehenden Konsequenzen.

Praunheims Attacken richten sich nicht gegen fremde Unterdrücker, sondern gegen das eigene Lager. Die These: Die schlechte Situation, in der sie lebten, sei hausgemacht. Tenor des Films ist, dass Schwule ihre unmäßige Angst überwinden und aus ihren Verstecken kommen sollen, um solidarisch und kämpferisch miteinander für eine bessere, gleich­berech­tigte Zukunft anzutreten. Dadurch wurde er zum Auslöser für die Entstehung der modernen deutschen und schweizerischen Schwulenbewegung. Verwirrung, Empörung, Bestürzung im Schwulenlager war die Folge, aber auch Bewegung, Aktion, coming out und Solidarität.

Die Aufführung des Films im deutschen Fernsehen wurde zum Skandal. Der WDR war 1972 der einzige Sender, der den Film in seinem 3. Programm ausstrahlte. Die vorgesehene parallele Aufführung beim ARD wurde kurzfristig abgesagt. Die ARD strahlte den Film ein Jahr später aus, Bayern schaltete sich daraufhin aus dem Programm aus.

Vorfilm: ROSA ARBEITER AUF GOLDENER STRASSE. 2.Teil; Rosa von Praunheim, BRD 1968, 11Min.; dig

BILD:WDR

Film des Monats

Sa. 3.3.18 22 Uhr „B1ume des Her6stes“ (o.ä.)

ein Spielfilm von der iberischen Halbinsel, Ende der Siebziger

Ein junger Anwalt einer ehrenwerten Familie lebt mit seiner Mutter Ende der Zwanziger Jahre in Barce10na. Heimlich arbeitet er mit AnarchistInnen zusammen und beteiligt sich an den Vorbereitungen eines Attentats, um den verhassten Diktator R1vera zu beseitigen. Nachts führt er ein anderes Leben: Er kann offen schwul sein und tritt als Transvestit in einem Unterwelt-Nachtclub auf. Das Attentat misslingt … und die Missgunst einer anderen Künstlerin bringt ihn in Bedrängnis.

Der besonders Jüngeren sicher eher unbekannte Film aus der Nach-Franco-Ära zeigt ein gelungenes Beispiel wie Tunte sein und ein auch anarchisches Kämpfen für Veränderungen sehr wohl Hand in Hand gehen können!

Wir präsentieren euch ein Liebhaberstück des seit Ende der 1980er Jahre in BRD nicht mehr offiziell gezeigten Films mit deutscher Sprachfassung bei freiem Eintritt – Spenden gern gesehen!

 

Film des Monats

Sa. 3.2. 22 Uhr: Totally F***ed Up

TOTALLY F***ED UP

Gregg Araki; USA 1993; 76Min, FSK 16; OmU

Eine Gruppe schwul-lesbischer Teenager versucht in den 90er Jahren in Los Angeles mit den Problemen des Heranwachsens fertig zu werden. Sie sind auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und der „großen Liebe“. Ihre Eltern haben sie rausgeworfen, sie sind pleite, leben in ständiger Angst vor der homofeindlichen Umwelt und ziehen über alles her, was sie bewegt – Safe Sex, Drogen, Liebe, Selbstbefriedigung und AIDS.

Gregg Araki, die Ikone des „Queer Cinema“, zeigt in seinem pseudo-dokumentarischen Film, wie sich Jugendliche durch „teenangst“ dem Leben entfremden. Der Streifen wurde im Guerrilla-Stil auf der Straße gedreht und reflektiert den surrealen Zustand vom Leben in einer ungewöhnlichen und ausgeflippten Welt. Eine ironische, leidenschaftliche, humorvolle und bewegende Studie über eine ungeliebte Generation.